Montag, 15. Juli 2013

Pflege im Mbagathi District Hospital

Heute haben Nadja und ich unsere Plätze getauscht, sie arbeitet nun auf dem Kindernotfall und ich bei den Erwachsenen. Auf diesen Abteilungen ist heute nichts Spannendes passiert, ausser, dass bei mir ein Mann mit einer Schubkarre ins Spital gebracht wurde..

Dieser Blogeintrag ist nun unseren lieben Mitstudenten VZ11 gewidmet. Damit auch alle anderen etwas verstehen wovon wir sprechen, haben wir in Klammern einige Erklärungen dazu geschrieben.
Wir analysieren die Situation auf dem Notfall nun kurz anhand einiger Konzepte, die uns während unseren ersten zwei Studienjahren beigebracht wurden:

Hygiene: Kein grosses Thema. Beim Versuch ein Venflon zu legen (Infusionszugang, für Nicht-Pflegestudierende) wird dieses zwischendurch auch mal kurz auf dem Bett abgelegt und noch einmal damit gestochen (nur beim gleichen Patienten!). Oder: der Kopf eines Patienten liegt nach der Entlassung eines anderen, dort wo vorher dessen blutender Fuss war.
Händedesinfektion ist kein Thema, oder nur insofern, dass ein Händedesinfektionsmittel auf dem Tisch steht, das nicht gebraucht wird. Manchmal sind die Regelungen auch nicht ganz nachvollziehbar: Bei allen Kindern werden die gleichen Thermometer verwendet, ohne sie zwischen zwei Patienten zu desinfizieren, die leere Spritze nach der Gabe von flüssigem Paracetamol per os (durch den Mund) dürfen die Pflegenden aber wegen einer "Crossover-Infection" (Übertragung von Kiemen durch Gegenstände) nicht mehr berühren, sondern die Mütter müssen sie selber wegwerfen.
Handschuhe und Mundschutz gehören aber zum Inventar und Handschuhe werden für die meisten Verrichtungen wie hier gebraucht.

Wundheilung und Verbände: die einzigen genutzten Materialien sind Betadine (ein Desinfektionsmittel) und Gaze, egal um was für eine Wunde es sich handelt, nass oder trocken, akut oder chronisch..Was bei einer Jod-Allergie (Jod ist ein Bestandteil von Betadine) passiert wissen wir auch nicht..

Kommunikation und Empathie (sich in jemanden einfühlen): gibt es hier nicht! Oder wird äusserst selten ansatzweise angewendet. Wenn etwas unangenehm ist, wird es einfach ignoriert oder wenn man nicht weiter weiss, sagt man es dem Patienten nicht, sondern läuft einfach davon und lässt ihn warten. Familienzentrierte Pflege wird nicht angewandt, Angehörige werden meist nicht informiert, sondern weggeschickt. Die Information für die Patienten wird auch ausgelassen. Wenn man irgendwelche Verrichtungen macht, macht man sie einfach und platziert den Arm des Patienten oder was man eben für die Verrichtung braucht, so wie es nötig ist. Manche Patienten wissen also nicht ob man ihnen nun Blutzucker misst, Blut abnimmt oder was auch immer. Informed consent (informierte Zustimmung des Patienten, was in der Schweiz zwingend nötig ist und wenn nicht vorhanden als Körperverletzung gilt) scheint hier auch kein Thema zu sein.

Empowerment: Haben wir insofern erlebt, dass die Eltern ihren kranken Kindern, das flüssige Paracetamol per os (durch den Mund) mit einer Spritze (selbstverständlich ohne Nadel) oder Suppositorien (Zäpfchen) selber verabreichen müssen.

Bildung/Arbeitsplätze: Sehr fortschrittlich ist das Spital mit der Anzahl Ausbildungsplätze. Auf dem Kindernotfall sind momentan bis zu neun Studierende aus der Pflege gleichzeitig. Wenn dies auf allen Stationen so ist, dann wird es hier keinen Personalmangel geben. Die Studierenden aus Kenia erzählten uns aber, dass es sehr schwierig ist einen Job als qualifizierte Pflegefachperson zu finden.

Public Health (Volksgesundheit): Überall hängen Plakate zu Themen der Gesundheitsförderung oder zur Vermeidung der Übertragung von Krankheiten. Ausserdem gibt es einige Pflegefachpersonen, die einen besonderen Kittel tragen und die Patienten zu bestimmten Themen informieren und aufklären.
Dies sind die Eindrücke von der ersten Arbeitswoche auf dem Notfall. Wir werden wieder darüber berichten, wenn wir auf den Abteilungen sind.

Nun wünschen wir allen Mitstudierenden auch ein so spannendes und lehrreiches Wahlpflichtpraktikum, wie wir es haben.

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